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Euer Müll ist keine Spende

 

Heute morgen gab es auf NDR Info einen Bericht über den Müll, der nach Festivals auf Veranstaltungsplätzen liegen bleibt. Darunter waren in den letzten Jahren vermehrt Zelte, Luftmatratzen, Iso-Matten und Schlafsäcke, die von den Besucherinnen und Besuchern zurückgelassen wurden. Bei manchen Festivals sollen um die 90% der Leute ihre Zelte einfach stehen gelassen haben: eine riesige Menge Plastikmüll!

Einige (in dem Bericht vermutlich Briten), die so etwas schon mal gemacht hatten, begründeten das vor dem Mikrofon. Eine Frau erklärte, der Abbau eines Zelts sei ihr zu kompliziert, und sie wolle so etwas auch nicht wieder nach Hause tragen, es sei ihr zu schwer. Eine andere glaubte ernsthaft, die Zelte würden hinterher von wohltätigen Organisationen eingesammelt, und dass das doch im Grunde eine gute Sache sei. Leider ist das ganz und gar nicht der Fall.

Mit einem kunterbunten Haufen leichter, billiger Sommerzelte kann keine Hilfsorganisation etwas anfangen. Solche Organisationen benötigen Zelte, in denen man leben kann: groß, möglichst einheitlich, reparaturfreundlich, und vor allem strapazierfähig. Abgesehen davon wirft man eine Spende nicht so einfach in die Landschaft. Man fragt, was sinnvollerweise benötigt wird, und liefert es sauber und ordentlich verpackt an einer Sammelstelle ab.

Anzunehmen, dass schon jemand kommen wird, der den Müll auf einem Festival-Platz für einen guten Zweck einsammeln und verpacken wird, ist mehr als naiv. Wer so etwas glaubt, belügt sich nur selbst.

Klar, auf einem Festival kann man die Nacht nicht im Hotel verbringen. Die Betten-Kapazität in der Umgebung würde schlichtweg nicht ausreichen, um tausende von Konzertbesuchern unterzubringen. Also greift man zum Zelt. Und weil man kein regelmäßiger Camper ist, nimmt man etwas billiges. Das kann ich durchaus verstehen.

Und danach? Ja, möglicherweise ist das Zelt nun dreckig, und vielleicht ist es auch umständlich, es wieder einzupacken. Eventuell ist man auch übermüdet und verkatert. Trotzdem sollte man sich doch so weit zusammenreißen, dass man am Ende keine Müllkippe hinterlässt. Und wenn schon nicht aus Verantwortungsbewusstsein, dann doch wenigstens aus Eigennutz. Aufräumen muss das nämlich der Veranstalter. Und das verteuert dann am Ende auch die Eintrittskarten für das nächste Festival.

Aber warum machen so viele Menschen sich selbst etwas vor, obwohl sie es mit einigem Nachdenken besser wissen sollten? Weil es bequem ist, weil es alle so machen, weil man sich unbeobachtet fühlt, und weil sich schon irgendwer finden wird, der hinter ihnen her räumt. Die Youtuberin Mai Nguyen hat dazu gerade diese Tage ein Video herausgebracht:

maiLab: Spieltheorie des Lebens | Tragödie des Gemeinguts (19.06.2019, 14:27 min)

„Dinge, von denen alle was haben, um die sich aber auch alle kümmern müssen, werden meist scheiße behandelt. Warum ist das so? Und muss das wirklich immer so sein?“

Einfach mal reinschauen! 🙂

Nachtrag

Der im Blog erwähnte Beitrag bei NDR Info speiste sich offenbar aus der selben Quelle wie diese Tagesschau-Meldung unter den „Stichworten Ausland, Festivalsaison, Müll“.

Übrigens: Leider rauscht derzeit eine Diffamierungswelle durch die sozialen Medien, in der Fotos von vermüllten Straßen und Veranstaltungsplätzen mit den Friday-for-Future-Demonstrationen in Verbindung gebracht werden, obwohl sie damit nichts zu tun haben. Auf der Website von Mimikama ist ein Beispiel dafür zu sehen.

Wie man eine Barcode-gesteuerte Kaffeemaschine hackt

Ein abgetrennter Deckel einer Kaffeekapsel wird unter den Spüldeckel einer Kapselmaschine eingelegt.

Meinen Kaffee trinke ich am liebsten ganz frisch aufgebrüht. Wenn er länger in der Kanne bleibt, schmeckt er irgendwann nämlich leider so fies säuerlich-bitter, und das kann ich gar nicht vertragen. Also brühe ich ihn tassenweise auf. Dafür verwende ich eine von diesen Kaffeemaschinen, die eigentlich nur mit Kaffeekapseln funktionieren.

Auf den Deckeln dieser Kapseln sind Barcodes aufgedruckt, die der Maschine mitteilen, wieviel Wasser bis zu welcher Temperatur erhitzt werden soll, um das gewünschte Getränk zuzubereiten. Diese Kapseln möchte ich allerdings nicht verwenden. Kaffee in Kapseln ist nicht nur unverhältnismäßig teuer, sondern er verursacht auch eine riesige Menge Müll. Für jede Tasse Kaffee wandert ein Ufo-förmiges Plastikschälchen mit Alu-Deckel in die Tonne. Der pure Wahnsinn!

Andererseits finde ich es durchaus sinnvoll, nur so viel Wasser zum Kochen zu bringen, wie ich für eine Tasse benötige, und genau das tun diese Ein-Tassen-Maschinen ja. Man muss sie nur kreativ einsetzen. Bei den Geräten, die Wassermenge und Temperatur von den Barcodes auf den Deckeln ablesen, geht das so:

  • Rückseite eines abgetrennten Kaffeekapsel-Deckels Mit einem scharfen Messer trennt man den Deckel einer XL-Kaffeekapsel dicht an der Kante ab, und versieht ihn mit Löchern für Zu- und Ablauf.
  • Zur Kaffeemaschine gehört ein meist gelber Reinigungs-Einsatz (die Service T-Disc), der normalerweise zum Spülen und Entkalken der Maschine eingelegt wird. Den verwendet man anstelle einer Kaffeekapsel. Unter diesen Einsatz legt man den abgetrennten Kapsel-Deckel, sodass die Maschine davon den Barcode ablesen kann.
  • Den Tassenhalter entfernt man, und stellt eine kleine „Pour-Over“-Glaskanne mit Dauerfilter in die Maschine.
  • Wer sein Kaffeepulver etwas quellen lassen möchte, benutzt zuerst einen Barcode einer Espresso-Kapsel, wartet einen Moment, und setzt danach einen Barcode für eine größere Tasse ein.

Sinn der Aktion:

  • Man hat keinen Kapsel-Müll.
  • Es ist auch viel billiger, als Kaffee aus Kapseln zu trinken.
  • Man hat trotzdem alle Vorteile einer Ein-Tassen-Zubereitung: zum Beispiel niemals abgestandenen, übersäuerten Kaffee.
  • Man kann jeden beliebigen Kaffee aufbrühen und auch Tee aufgießen.
  • Man erhitzt exakt so viel Wasser, wie man benötigt.
  • Man hat weniger Reinigungsaufwand als beim Verwenden einer Press-Kanne.

Update: Ein Bekannter fragte mich auf Facebook, was denn normalerweise mit den Kaffeekapseln nach dem Gebrauch passiert, wie lange man so einen abgetrennten Alu-Deckel benutzen könne, und ob und wie man den reinigen müsse.

Die Kaffeekapseln sind normalerweise Verpackungsmüll, und kommen, je nach Bundesland, in den gelben Sack oder in die Wertstofftonne. Und da sie voll mit Kaffeesatz oder sonstigen Rückständen sind, eignen sie sich nur sehr schlecht für’s Recycling. Um sie sinnvoll verarbeiten zu können, müsste man sie wenigstens getrennt sammeln, aber das geschieht nicht. Außerdem ist allein der Verarbeitungsaufwand pro Tasse Kaffee enorm, wenn man das mal mit einem ganz normalen Pfund gemahlenem Kaffee aus der Tüte vergleicht.

Wenn man statt der Kaffee-Kapseln einen abgetrennten Alu-Deckel unter den Reinigungseinsatz in die Maschine legt, kommt beim Kaffee-Kochen weder das Wasser noch der Kaffee mit diesem Deckel in Berührung. Es wird ja nur der Barcode abgelesen. Das Wasser läuft durch einen Kanal im Reinigungseinsatz, und dieser ist aus lebensmittelechtem Kunststoff. Bei Bedarf kann man den Alu-Deckel behutsam mit warmem Wasser und Spülmittel reinigen. Aber das wird nur selten erforderlich sein, da er, wir schon erwähnt, beim Gebrauch völlig trocken bleibt

Man findet im Internet mehrere Anbieter, die unter Bezeichnungen wie „Hot Water T-Disc“ oder „Heißwasser-Disk“ Plastikeinsätze mit einer Wahlscheibe verkaufen. Auf der gibt es Barcodes für Tassengrößen zwischen 150 und 450 ml. Die Zielgruppe dafür sind zumeist Tee-Trinker.  Ich möchte hier aber keine Produktwerbung machen, und gebe daher keine Kaufquellen dafür an. Abgesehen davon waren die Rezensionen in einigen Fällen nicht sonderlich positiv: Berichte über nicht funktionierende oder schief aufgeklebte Bar-Codes, über Plastik-Geruch, oder über Probleme beim Einlegen motivieren mich jedenfalls nicht zum Kauf.

(K)ein Kinderspielplatz

Auf einen dreckigen, verwahrlosten Spielplatz traut sich irgendwann kein Kind mehr. Ich bin in Sorge, dass der Park für Eltern und Kinder so unattraktiv wird, dass sie sich immer mehr zurückziehen, und sich dort nur noch Trinker und Kiffer treffen. Beides sieht, hört und riecht man ja: die Schnapsflaschen und leeren Cannabis-Tüten in den Büschen, die krakeelenden Gruppen (erwachsene Trinker bei Tag, kiffende Jugendliche am Abend), die Haschisch-Wolken, die bis zur Straße hin miefen. Ich hab nichts gegen Haschisch. In meiner Jugend hab ich es selbst gern konsumiert und davon sicher keinen Schaden genommen. Aber auf einem Spielplatz hat es nichts verloren, und in Kombination mit Alkohol fördert es nicht gerade das sozialverträgliche Verhalten. Die Jugendlichen hier brauchen bessere Freizeitangebote, die Erwachsenen eins auf die Mütze, und der Spielplatz viel häufiger als bisher Besuch von Reinigungskräften.

Ich hab dies Wochenende wieder mal zu Mülltüten und Besen gegriffen, weil es einfach saumäßig aussah: Massen von Flaschen, Pappbecher, Scherben … Auf Kiefernnadeln und Laub kann man wohl auch kaum Rollschuhlaufen und Rollerfahren, also haben mein Mann und ich kurzerhand den Platz dafür gekehrt. Die Stadtreinigung oder Grünanlagenpflege darf da aber gern nochmal professionell drübergehen, denn ganz so gründlich wie die durchtrainierten Fachleute waren wir sicherlich nicht. Außerdem müssen die Sitzgruppen dringend gekärchert und repariert werden. Die Tische sind voller Moos und Algen, und das Holz der Sitze modert vor sich hin und ist brüchig.

Eine kleine Hoffnung habe ich ja: als ich beim Müllsammeln war, traf ich auf zwei gut situierte Herren in langen Mänteln, die den Platz besichtigten und darüber diskutierten. Wenn ich richtig verstanden habe, waren es Politiker, nur haben sie sich mir leider weder vorgestellt, noch mir verraten, in welcher Partei sie sind. Ich tippe aber mal auf Sozialdemokraten. Jedenfalls habe ich ihnen vorgeschlagen, am Weg zwischen S-Bahn und Stadtteil für mehr Papierkörbe zu sorgen, und die Idee fanden sie sinnvoll und wollten das weitergeben. Mal sehen, ob sich in den kommenden Wochen was tut.

Zen oder das Müllsammeln in Rothenburgsort

Seit Ende Februar sammle ich von Zeit zu Zeit etwas Müll in meinem Stadtteil ein. Es gibt nämlich leider Bereiche, die sonst einer Müllhalde ähnlicher sehen als einem Grünstreifen, und das liegt nicht nur an den Leuten hier. An stark von Fußgängern frequentierten Strecken sollte immer ein öffentlicher Papierkorb in Sichtweite stehen, weil sonst die Hemmschwelle, seinen Dreck ins Gelände zu werfen, ganz gewaltig sinkt.

Mir ist aufgefallen, dass es in meinem Stadtteil geradezu lächerlich wenige Papierkörbe gibt. Am letzten Wochenende habe ich mich mit dem besten Ehemann der Welt auf die Socken gemacht, um deren Standorte zu kartografieren. Die Ergebnisse unserer Bemühungen kann man bei Openstreetmap besichtigen, wenn man sich in entsprechenden Ausschnittsvergrößerungen die Daten anzeigen lässt. Papierkörbe werden in der Standarddarstellung nämlich nicht angezeigt. Wir haben danach die Hypothese aufgestellt, dass Papierkörbe möglicherweise nach folgenden Regeln in unserem Stadtteil plaziert werden:

  • an Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel, oder in deren unmittelbarer Nähe
  • an Ampeln, jeweils nur auf einer Seite pro Ampelpaar
  • am Eingang von Parks, und darin bei Sitzgelegenheiten und Grillplätzen
  • vor Behörden

Innerhalb der Wohngebiete haben wir keine Papierkörbe gefunden, auch nicht in der Nähe von Zebrastreifen. Auf den Billhorner Deich zwischen der S-Bahn und dem Stadtteil trifft ebenfalls keine der von uns postulierten Aufstellregeln zu, auch nicht auf den Billhorner Röhrendamm, wo sich die meisten Einkaufsmöglichkeiten der Gegend befinden. In diesen Bereichen habe ich einigen Müll eingesammelt.

Besonders rund um den Kinderspielplatz Ecke Marckmannstraße habe ich unglaubliche Mengen an Schnapsflaschen, Zigarettenschachteln, Papiertaschentüchern und Fastfood-Verpackungen aus den Büschen gezogen. Ein Teil des Mülls stammte unmittelbar vom Spielplatz, auf dem sich offenbar zu manchen Zeiten Erwachsene breitmachen, um sich zu betrinken. Hier lagen vor allem große Schnapsflaschen herum. Hinter dem Zaun beim Haupteingang zum Spielplatz habe ich eine fette, tote Ratte gefunden.

Der meiste Müll stammte aber von Passanten vom Billhorner Deich, die auf dem Weg von und zur Bahn ihren Dreck in die Gegend geworfen haben. In diesem Bereich lagen viele kleine Schnapsflaschen, sonstiger Verpackungsmüll, und sehr viele Taschentücher. Ganz schlimm sieht es immernoch unter den Brombeerbüschen nahe bei der Brücke aus. Das dornige Gestrüpp ragt bis auf den Weg hinaus, und ich habe mir große Mühe gegeben, so viel Müll wie möglich herauszuziehen. Dort fand ich dann auch exotischeren Müll: Teile eines Computerdruckers, Schuhe, Konservenbüchsen, Kartons, volle Babywindeln, und Malerwerkzeug mitsamt Farbeimer. Um an den Rest heranzukommen müsste man die dornigen Büsche zunächst mal herunterschneiden, und das ist eine gewaltige Menge. Wer weiß, was sich da noch verbirgt?

Trotz allen Unmuts über den Dreck und die fehlenden Papierkörbe sammle ich den Müll nicht mit Kampfgeist und Verbissenheit. Natürlich möchte ich auf keiner Müllhalde wohnen, selbstverständlich sollte niemand seinen Mist in die Büsche feuern, und ich bin durchaus der Meinung, dass das Engagement der öffentlichen Hand hier verbesserungswürdig ist. Aber permanente Wut tut nicht gut, und wenn ich schon etwas tun möchte, ist es besser für mich und den Rest der Welt, wenn ich es gern tue. Also nutze ich meine Sammelaktion zur Entspannung und Meditation. Es ist sinnvoll, es nutzt den Kindern dort, ich bewege mich an der frischen Luft, niemand zwingt mich, und ich kann alles in dem Tempo und dem Maße tun, wie ich es möchte.

Allerdings wäre es mir doch lieber, die Stadt würde an den vermüllten Strecken ein paar Papierkörbe aufstellen, und einige Leute mehr dafür bezahlen, unsere Stadt sauber zu halten. Erstens schafft das Arbeitsplätze, zweitens zahlen wir dafür Steuern, und drittens wäre das besser für die Umwelt. Zum Meditieren könnte ich dann wieder meine ausgedehnten Spaziergänge in meinem dann sauberen Stadtteil nutzen.