Auf meinem Handheld will ich keine Farbe!

Mein TRGpro hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel, und das sieht man ihm auch an: Das GehÀuse hat schon einiges aushalten mĂƒÂŒssen, und neben den Schrauben bilden sich kleine SprĂƒÂŒnge. Nach dem letzten Urlaub ereilt mich dann der Schicksalsschlag: Wackelkontakt! Das Display wird entweder schwarz oder bleibt ganz weiss, und es lÀÃƞt sich nur noch mit Tricks zum Anzeigen der Daten ĂƒÂŒberreden. Der stetige Aufenthalt in meiner GĂƒÂŒrteltasche hat ihm ganz offenbar nicht gut getan.

Schweren Herzens mache ich mich auf, die KaufhÀuser nach einem angemessenen Ersatz zu durchforsten. Aber das, was ich finde, lÀÃƞt mich erschaudern: Stromfressende, stets leuchtende Farbdisplays, keine Standard-Batterien, sondern proprietÀre Einbau-Akkus, und, um das MaÃƞ voll zu machen, das allgegenwÀrtige BetrĂƒÂŒbsystem Windows CE – danke, nein!

Ich brauche keine Farben in meinem Terminkalender. Auch meine E-Books kommen mit den ĂƒÂŒblichen Textauszeichnungen (fett, kursiv, unterstrichen) völlig aus. Und was haben Fotos von meinen Lieben in meinem Organizer verloren? Ich brauche auch kein GPS in der S-Bahn von zuhause ins BĂƒÂŒro. Und fĂƒÂŒr Musik und Hörspiele habe ich einen handlichen MP3-Player im Feuerzeug-Format. DafĂƒÂŒr allerdings bin ich unterwegs immer sehr erfreut, wenn ich zum Beispiel gegen Ende der zweiten Urlaubswoche ein paar normale Akkus oder frische Alkaline-Batterien in das Batteriefach meines Handheld einwerfen kann, denn so ein Laptop mit Cradle ist beim Zelten doch recht unhandlich.

Also lautet mein BeschluÃƞ: Mein TRG muss weiterleben! Aber wie soll ich das anstellen? Der Display-Doktor, der ihn das letzte Mal repariert hatte, hat seinen Service eingestellt und ist nicht mehr erreichbar. Eine Firma in SĂƒÂŒddeutschland, die den selben Dienst anbietet, meldet sich nicht auf meine Anfragen. Und im Netz ist nichts zu finden … Doch! Da! Eine kanadische Firma … ach. Die liefern nur nach Kanada und USA. Mist.

Nach einigen Tagen Recherche melde ich mich bei dem bekannten Internet-Auktionshaus an, und werde fĂƒÂŒndig: kein TRG, aber ein Visor Deluxe. Steckplatz nur fĂƒÂŒr Springboard-Module? Och, Menno! Und angeblich lÀuft das GerÀt, wird jedoch „defekt fĂƒÂŒr Bastler“ angeboten… ich wÀge ab, hin, her, setze ein Limit, und trage ein Gebot ein.

Eine Weile spÀter finde ich das passende Backup-Modul dazu. Und noch einen alten Visor, vom selben Anbieter, und ziemlich lÀdiert. Ich biete fĂƒÂŒr beide mit – wer weiss schlieÃƞlich, ob Visor Nr. 1 ĂƒÂŒberhaupt funktioniert? Auktionen von Privat laufen ohne Garantie. Na, einer von den beiden wird schon heil sein.

Dann die Entdeckung: Ein Amerikaner bietet ein Display an. FĂƒÂŒr meinen TRG! Neuwertig! zu einem sensationellen Preis! Ich schaue und vergleiche: Bei einem Deutschen kann ich auch ein Display bekommen, aber das ist schon ohne Porto teurer als das US-Angebot inklusive Luftpost. Ob ich das ĂƒÂŒberhaupt selber einbauen kann? Aha, der Amerikaner verspricht eine simple Schritt-fĂƒÂŒr-Schritt-Anleitung. Na gut! Ich bestelle. Eine gute Woche wird’s wohl dauern, bis es hier ist. Eher zwei.

Die Tage drauf trudelt der erste Visor ein. Ein prima GerÀt – nur das GehÀuse hat ein paar BrĂƒÂŒche, von denen nichts in der Produktbeschreibung stand. Eine der Schrauben hat sich aus ihrem Gewinde verdĂƒÂŒnnisiert, und vagabundiert lose durch die Elektronik. Mit einem Tropfen Wachs wird sie zur Sesshaftigkeit ĂƒÂŒberredet. Ansonsten funktioniert das Maschinchen perfekt, und meine Daten lassen sich ohne Widerrede transferieren – nachdem ich mir bei Palm die Desktop-Software gezogen habe. Die mitgelieferte CD tut’s leider nicht.

Noch ein paar Tage spÀter kommt der zweite Visor – OK, ein Ersatzteillager. Funktioniert zwar noch, hat aber schon ganz arg was abbekommen. Aber das interessante Teil im Karton ist: Das Backup-Modul! Einstecken … lÀuft! Phantastisch! Ich begebe mich gleich darauf in ein Kaufhaus, und besorge mir eine Plastikdose mit Knetmasse. Die Knete kommt ins Regal, in die Dose klebe ich eine Filzmatte, sperre den Visor hinein, und stecke die Transportbox in meine GĂƒÂŒrteltasche. Passt! Ich bin wieder organisiert. Sehr schön.

Inzwischen meldet sich die besagte Firma aus SĂƒÂŒddeutschland. Der von mir beschriebene Schaden klÀnge nach einem Bruch der Hauptplatine, das sei eventuell nicht mehr reparabel. Meine Hoffnungen bekommen einen Knacks, und mein Magen scheint sich umstĂƒÂŒlpen zu wollen. Nein, neue GerÀte mit Batterien und Graustufen-Anzeige gÀbe es nicht, man rate mir zu einem Tungsten E2. Ich könne meinen TRG auch einsenden. Wenn er nicht reparierbar sei, wĂƒÂŒrde man ihn kostenlos entsorgen und fĂƒÂŒr das Nachschaun nichts berechnen. Ich schaue traurig meinen armen kleinen TRG an: Nein, du sollst nicht in Bayern sterben!

Dann die Versuchung: Jemand bietet einen funktionierenden TRG an! Ich grĂƒÂŒble. Ein TRG kann, im Gegensatz zum Visor, normale CF-Karten lesen. Eigentlich warte ich ja noch auf das Display. Aber ob ich das eingebaut bekomme? Ob die Hauptplatine wirklich einen Bruch hat? … Ich biete auf den TRG.

Kurze Zeit darauf kommt das Display an. Ohne Gebrauchsanleitung, dafĂƒÂŒr mit nettem Zubehör, das sich spÀter als nicht wirklich brauchbar erweist. Ich frage den Amerikaner per Mail nach der Anleitung, bemĂƒÂŒhe dann aber doch noch mal Tante Google. 20 Minuten spÀter sitze ich vor einer ausgedruckten Anleitung und meinem aufgeschraubten TRG und schwitze Blut und Wasser. Vooooooooorsichtig! Nur nichts zerbrechen oder abreiÃƞen! Eine Dreiviertelstunde spÀter ist das Display eingebaut und lÀuft. Erleichtert packe ich das alte Display an einen sicheren Platz: Vermutlich ist nur das Flachband-Kabel gebrochen. Also, falls es eines Tages Scherben geben sollte …

Inzwischen hat der Amerikaner mir geantwortet: in seiner Mail steht die selbe URL, die ich mir zuvor ergoogelt hatte. Schön. Ich schreibe ihm eine nette Bewertung. Immerhin hat er sich sofort gemeldet. Die auÃƞerdem noch mitgelieferte Cradle mit Bus-Tastatur-AnschluÃƞ lÀuft mit meinem Handheld leider nicht, und bleibt als Kuriosum im Regal liegen.

Einige Tage spÀter gewinne ich die TRG-Auktion. Das GerÀt kommt im allerbesten Zustand bei mir an, und wird nach erfolgreichem Funktionstest sicher verstaut.

Also, ihr Hersteller von bunten, superflachen Hightech-Handhelds mit Sanduhr, eingebauter Zeitbombe und sonstigem Schnickschnack: FĂƒÂŒr die nÀchsten Jahre bin ich jetzt gut ausgerĂƒÂŒstet! Ein Maschinchen in Gebrauch, drei in Reserve, und eine verwindungssichere Box in meiner GĂƒÂŒrteltasche sollten mich noch eine gute Weile davor bewahren, in eure FÀnge zu geraten! Yo!