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Eine Bresche geschlagen

Als wir Samstag morgen in die Innenstadt fahren wollten, sahen wir schon von weitem eine Menschentraube auf der Br√ɬľcke, ein Warndreieck auf der Stra√ÉŇłe, und flackerndes Blaulicht. Es hatte wieder gekracht, und diesmal waren drei Fahrzeuge auf einmal betroffen. Mein schmaler, ger√ɬ§umter Pfad am Br√ɬľckengel√ɬ§nder entlang war nur von einer hauchd√ɬľnnen Schneeschicht bedeckt, so dass wir darauf ohne Schliddern √ɬľber die Br√ɬľcke kamen. Wir sahen dann auch endlich mal einen Winterdienst-Wagen, der die Stra√ÉŇłe mit Lake besprenkelte. Hoffentlich wird es ab jetzt weniger mit den Unf√ɬ§llen auf der Stra√ÉŇłe.

Am Sonntag war die Eispiste auf unserer Br√ɬľcke mit geringen Spuren von Granulat garniert, aber noch immer von komprimiertem Schnee bedeckt. Granulat hilft wunderbar gegen Reifgl√ɬ§tte und bei sehr d√ɬľnnen Eisschichten, aber auf Schnee bringt es nicht viel. Schon nach kurzer Zeit werden die K√ɬ∂rnchen in den Schnee eingewalkt, oder schmelzen sich selbst hinein, da sie ja dunkel sind und sich in der Sonne aufheizen. Auf der von mir freiger√ɬ§umten Bahn lag eine frisch gefallene Schneedecke, die ich mit einem groben Stra√ÉŇłenbesen weggefegt habe. Au√ÉŇłerdem hatte ich mir am Samstag eine Eishacke besorgt: eine gro√ÉŇłe, rechteckige Klinge an einer extra langen Stange. Damit konnte ich den Pfad neben dem Gel√ɬ§nder an einigen Stellen noch ein wenig verbreitern, und festgetrampelten Schnee l√ɬ∂sen. Auch diesmal sprachen mich einige Leute recht freundlich an, und zwei Jungs, ich sch√ɬ§tze mal so um die 12 Jahre alt, halfen mir begeistert, ein paar Meter weit zu r√ɬ§umen.

Als ich am Montag nachmittag aus dem B√ɬľro heim kam, war die Br√ɬľcke zwar noch immer nicht ger√ɬ§umt, aber daf√ɬľr war der Schnee in Wegesmitte durch Granulat und die Tritte Hunderter Passanten m√ɬľrbe getreten worden. Plusgrade und vielleicht ein Quentchen Salz hatten ihr √ɬľbriges getan, und so war der Weg nun halbwegs begehbar. Es w√ɬ§re schlau, w√ɬľrden die Zust√ɬ§ndigen daf√ɬľr sorgen, dass die Schnee- und Eisreste beseitigt werden, wenn die Br√ɬľcke in so einem Zustand ist, und wenn sie anschlie√ÉŇłend pr√ɬ§ventiv Granulat gegen die Reifgl√ɬ§tte streuen lie√ÉŇłen, die es auf Br√ɬľcken nun mal gibt. Im ganzen Stadtteil haben wir wunderbare, trockene, v√ɬ∂llig eisfreie Wege. Nur der Weg zur Br√ɬľcke und die Br√ɬľcke selbst haben einen Eisfilm, weil nicht ger√ɬ§umter Schnee die Sonne reflektiert.

Ein alter Mensch, der sich auf solchen Wegen die Knochen bricht, verliert dadurch unter Umst√ɬ§nden die letzten f√ɬľnf Jahre seines Lebens, und das nur, weil jemand zu geizig ist, um ein paar junge, gesunde Menschen f√ɬľr’s Besenschwingen zu bezahlen. Oder jemand war zu uneinsichtig, um bei einer Ausschreibung realistische Preise zu verlangen. Oder jemand war so kurzsichtig, einen Anbieter zu ber√ɬľcksichtigen, der bei einer Ausschreibung so einen derma√ÉŇłen unrealistischen Preis anbietet. Wie auch immer – diese Art von Pfusch kann Menschenleben kosten!

Terrorwarnung √Ę‚ā¨¬¶ und es hat BUMM gemacht!

Zwei Wochen haben sie uns mit ihren Terrorwarnungen kirre gemacht, haben die Stadt mit Polizei vollgepackt, haben Polizisten mit Maschinenpistolen in die Bahnh√ɬ∂fe gestellt, haben ausgeb√ɬľxte Realtestkoffer zu realen Bedrohungen aufgebauscht, und heute hat’s geknallt. Mehrmals sogar, und ich, ich stand direkt daneben! Aber ich sollte am Anfang beginnen.

Eigentlich war es ja ein sch√ɬ∂ner, friedlicher Tag. Doch wer diese Stadt und ihre Beh√ɬ∂rden kennt, der konnte schon um die Mittagszeit ahnen, was uns bevorstand: Die Bedrohung kam in Form von zarten, wei√ÉŇłen Flocken zu uns. Bald waren sie winzig, bald flockten sie flauschig, bald st√ɬ§ubte es sacht, und bald wirbelten sie im dichten Reigen. Todesmutig st√ɬľrzten sie herab, und wehten doch nur ihrem Verderben entgegen, denn sobald sie das Stra√ÉŇłenpflaster ber√ɬľhrten, vergingen sie zu kaum wahrnehmbaren feuchten Flecken, die von den trockenen Gehwegplatten gierig aufgesogen wurden. Wo auch immer sie hinfielen, die Schneeflocken schmolzen so rasch, wie sie dort hingesegelt waren. √ÉŇďberall? Fast √ɬľberall! Einige wenige Pioniere hatten das Gl√ɬľck, auf Objekten zu landen, die nicht ganz so viel W√ɬ§rme gespeichert hatten wie die Steine, oder deren W√ɬ§rmeleitf√ɬ§higkeit nicht ausreichte, um die im Erdreich gespeicherte W√ɬ§rme rasch genug nach oben zu transportieren. So sahen B√ɬ§ume, Wiesen und Sandfl√ɬ§chen schon am fr√ɬľhen Nachmittag so aus, als w√ɬ§ren sie mit feinstem Puderzucker best√ɬ§ubt worden. Wenn man so etwas sieht, besteht Gefahr. Das wollten nur wieder mal manche nicht wahr haben, und auch ich war mir dieser Tatsache leider nicht sofort bewusst. Fr√ɬ∂hlich eilte ich zum Feierabend nach Hause, denn ich wollte dort nur meine Tasche ablegen, einen langen Spaziergang machen, und zum Abschluss einen leckeren, hei√ÉŇłen Apfelsaft mit Zimt trinken (der Apfelsaft muss naturtr√ɬľb sein, sonst schmeckt das nicht). Doch dazu sollte es nicht kommen. Kaum hatte ich meinen Stadtteil betreten, da sah ich auch schon die Bescherung:

Schnee! Liegengebliebener, plattgetretener, zu einer seifenglatten Schicht komprimierter, dreimal verdammter Schnee! Das musste so sein und war v√ɬ∂llig logisch, denn eine Br√ɬľcke hat viel Oberfl√ɬ§che, die sie dem eisigen Wind darbietet, und sie hat ausgesprochen wenig Kontakt zur im Erdreich gespeicherten Sonnenw√ɬ§rme. Es war widerlich glatt, die Leute schlidderten, und die Bremsman√ɬ∂ver der Fahrzeuge auf der Stra√ÉŇłe h√ɬ∂rten sich auch ziemlich glitschig an. Und es war nat√ɬľrlich nichts gestreut, weder auf dem Gehweg noch auf der Fahrbahn. Ich schlidderte √ɬľber die Br√ɬľcke, zog mich zuhause um, und kam mit meinem neuen Schneeschieber wieder. Der aber war hier das falsche Werkzeug: zu leicht, zu empfindlich, und nicht scharfkantig genug. F√ɬľr dicke Schichten von fluffigem Schnee wird er sicher zu gebrauchen sein, aber gegen Glatteis und festgetretenen Schnee konnte ich damit nichts ausrichten. Also trug ich ihn zur√ɬľck, und holte Bauschaufel und Besen aus dem Keller. Damit machte ich mich auf der Br√ɬľcke ans Werk. Ich merkte bald, dass ich in der Gehwegmitte keine Chance hatte. Die Schneeschicht war d√ɬľnn und eher z√ɬ§h, sie splitterte nicht, und klebte auf den Gehwegplatten wie Kaugummi auf Nadelfilz. Nur seitlich, nahe beim Br√ɬľckengel√ɬ§nder, lag der Schnee noch halbwegs locker. Auch hier klebte zuunterst eine z√ɬ§he, komprimierte Schicht. Ein sch√ɬ∂ner Mist! Aber es ging so leidlich. Eine Gehwegplattenbreite, am Gel√ɬ§nder entlang, und den Schnee vom Gel√ɬ§nder runterfegen, damit man sich da festhalten kann – das nahm ich mir vor und die Schaufel zur Hand. Bald merkte ich, dass ich verdammt aus der √ÉŇďbung war: falsche Haltung, falscher Griff, falsche Handschuhe. Ich hatte Kreuzschmerzen, meine Handfl√ɬ§chen brannten, meine Gelenke taten mir weh, und aufgeplatzte Blasen l√ɬ∂sten sich in Fetzen ab. AU! Weiter.

Ich hatte einen guten Teil meines Pensums geschafft, da h√ɬ∂rte ich ein √ɬ§u√ÉŇłerst h√ɬ§ssliches Rutschen, ein Scheppern, und ein Bremsman√ɬ∂ver, dass sich mir die Nackenhaare aufstellten. Ein Rollerfahrer hatte sich hingelegt, und der Autofahrer hinter ihm war gerade eben noch zum Halten gekommen. Ich eilte in Richtung des Geschehens, brauchte aber nichts zu tun. Der Rollerfahrer hatte sich schon wieder aufgerappelt, und ein Passant half ihm, seine Maschine auf den Gehweg zu wuchten. Also ging ich zur√ɬľck und setzte meine Arbeit fort. Hinter mir auf der Stra√ÉŇłe schlingerten die Autos, und ich hoffte inst√ɬ§ndig, der Kantstein m√ɬ∂ge hoch genug sein, dass keins von den schlingernden Fahrzeugen bis auf den Gehweg geriete. Dann sah ich die Zugmaschine. Die Br√ɬľcke ist f√ɬľr LKW gesperrt. Das liegt nicht daran, dass sie die nicht tr√ɬľge, sondern an den vielen LKW im nahegelegenen Industriegebiet, die unser Wohngebiet gern als Schleichstrecke nutzen. Das sollen sie nicht, und darum sind die Fahrbahn auf der Br√ɬľcke und die Zufahrten k√ɬľnstlich verengt. Die LKW fahren dort trotzdem durch, und mir ist jedes Mal mulmig, wenn ich sowas sehe. Denn ein LKW (oder in diesem Fall: eine Zugmaschine ohne Auflieger) nimmt die volle Fahrbahnbreite auf der Br√ɬľcke ein. Zum Gl√ɬľck sahen die Autofahrer auf der anderen Seite rechtzeitig den herannahenden Koloss. Ich hab auch schon LKW beobachtet, die mit den rechten Reifen den Bordstein hochkletterten: rauf und runter und rauf und runter. Wenn man von Rothenburgsort aus Richtung S-Bahn f√ɬ§hrt, stehen am rechten Stra√ÉŇłenrand die Laternen, und denen muss nat√ɬľrlich ausgewichen werden. Sieht lustig aus, ist saugef√ɬ§hrlich, und da die anderen Autofahrer dankenswerterweise aufgepasst haben, war das heute nicht zu beobachten.

Daf√ɬľr hatte ich meinen Spa√ÉŇł mit einigen Passanten. Zun√ɬ§chst mal kam ein √ɬ§lterer, geistig behinderter Mensch, der, wenn man ihn nicht kennt, etwas be√ɬ§ngstigend sein kein. Schliddernd, laut p√ɬ∂belnd, die F√ɬ§uste sch√ɬľttelnd und wilde Drohungen aussto√ÉŇłend n√ɬ§herte er sich mir. Ich kenne das aber inzwischen und gr√ɬľ√ÉŇłte ihn sehr freundlich. Wenn man auf seine Drohungen nicht eingeht, vergisst er sie sofort, und benimmt sich wie ein unsicheres, aber kooperatives kleines Kind. Nachdem ich den alten Mann an mir vorbei gelotst hatte, kam der Afrikaner vorbei, der mir Anfang des Jahres meinen Besenstiel zerbrochen hatte, und baggerte mich an. Ich erinnerte ihn an meinen Ehering. Er fragte, ob ich nicht eine Freundin h√ɬ§tte, die er kennenlernen k√ɬ∂nne. Ich riet ihm, einem Sportverein beizutreten, um dort viele Menschen kennenzulernen, damit sich Bekannte anf√ɬ§nden, vielleicht Freunde, und m√ɬ∂glicherweise vielleicht eine Liebe. Er behauptete, es g√ɬ§be in der N√ɬ§he keinen Verein. Ich wies ihn auf Lorbeer E.V. hin. Er wendete ein, Frauen spielten keinen Fu√ÉŇłball. Ich wies ihn darauf hin, dass junge M√ɬ§nner manchmal Schwestern haben. Kurz, es wurde nicht so kurz, sondern dauerte eine Weile, und irgendwann war ich den Kerl endlich los. Dann kamen ein paar junge M√ɬ§nner vorbei, von denen einer berufliche Erfahrungen im Winterdienst hatte. Der nahm mir f√ɬľr ein paar Meter das Schneekratzen ab, und ich gab mir M√ɬľhe, mir etwas von seiner Technik abzuschauen.

Ein Weilchen sp√ɬ§ter gab’s dann einen richtig sch√ɬ∂nen, lauten Knall. Die Fahrer zweier nicht eben schmaler Autos wurden sich nicht rechtzeitig einig √ɬľber Details aus den Bereichen Fahrbahnbreite, Fahrbahnmitte, Geschwindigkeit und Bremsweg auf Glatteis, woraufhin etliche scharfkantige Teile in die Landschaft flogen. Das Fahrzeug, das gen Stadtteil fuhr, kam recht bald zum Halten. Das entgegenkommende Fahrzeug war offenbar mit einer etwas optimistischeren Reisegeschwindigkeit unterwegs, bremste aber schlie√ÉŇłlich schliddernd, und wurde am Ende der Br√ɬľcke zum Stehen gebracht. Leute stiegen aus, und es gab ein gro√ÉŇłes Palaver mit viel Schimpferei √ɬľber den fehlenden Streudienst. Mobiltelefone wurden gez√ɬľckt, die Polizei gerufen, und nach etlichem Hin und Her und Herumrangieren anderer Verkehrsteilnehmer wurde endlich auch das zweite Fahrzeug von der Br√ɬľcke geschafft. Einer der Beteiligten borgte sich meinen Besen, und kehrte die Plastiksplitter von der Fahrbahn. Irgendwann kam auch die Polizei, dekorierte die Szenerie mit flackerndem Blaulicht, begutachtete Fahrbahn und Fahrzeuge, und nahm die Sache auf. Ich kehrte w√ɬ§hrenddessen weiter Schnee.

Kaum war Ruhe eingekehrt, da krachte es wieder. Ein Mittelklassewagen war leicht ins Schleudern geraten, als der Fahrer angesichts des Gegenverkehrs abbremsen wollte, stellte sich schr√ɬ§g, und hatte kurz darauf das entgegenkommende Fahrzeug an der Fahrert√ɬľr. Ich stand diesmal nur wenige Schritte vom Unfallort entfernt, und sagte den Fahrern, sich m√ɬ∂gen sich nicht zu sehr gr√ɬ§men, denn es habe hier eben schon einmal gekracht. Wieder gab es Palaver, die ineinander verkeilten Autos wurden voneinander getrennt, und ein paar Minuten sp√ɬ§ter flackerte wieder Blaulicht durch die Stra√ÉŇłe. Dann kam der Anruf von Jacques, das Essen sei fertig, und das Gem√ɬľse w√ɬľrde verkochen. Ich versprach, bald heimzukommen, schabte noch ein paar Meter Schnee weg, und ging dann zum Essen.

So, so. Terrorwarnung √Ę‚ā¨¬¶ Priorit√ɬ§ten, ist klar! Zwei Wochen lang Maschinenpistolen am Hauptbahnhof, aber keiner streut uns wenigstens ein paar Schaufeln Granulat auf die Br√ɬľcke zwischen dem Stadtteil und der Bahnstation. F√ɬľr Wachmannschaften, Waffen und Munition gibt es Geld und Entscheidungen und Presse und Alarm. Aber wir k√ɬ∂nnen uns hier den Stei√ÉŇł prellen, die Knochen brechen, und mit den Autos Caramboulage-Feten feiern. Ein sektlauniges Hoch auf die innere Sicherheit, und keine m√ɬľde Schippe Sand oder Salz f√ɬľr die Verkehrssicherheit! Leute, m√ɬ∂gt ihr nicht mal die Statistiken z√ɬľcken, und nachlesen, wovon es mehr gab: Verkehrstote und Verletzte bei Glatteis, oder Terroropfer?

Reaktionen auf meine Schneeschippaktionen

Seit meiner Eis-Hackerei am letzten Wochenende nehme ich immer mal wieder, wenn’s mir passt, Schaufel und Besen zur Hand, und begebe mich damit an „meine“ eisfreie Schneise, um dort Schnee und Matsch zu entfernen. Die Reaktionen der Leute, die dort vorbei kommen, sind meistens sehr freundlich, manchmal lustig, und in einigen F√ɬ§llen auch schauderhaft. Ich fange mal, weil es am sch√ɬ∂nsten ist, mit „sehr freundlich“ an: Viele Leute haben mich gefragt, ob ich „das“ machen muss, ob ich „zust√ɬ§ndig“ sei, aber den meisten ist klar: ich muss da nicht Schnee schieben. Daf√ɬľr, dass ich das St√ɬľckchen Weg freiwillig r√ɬ§ume, bekomme ich eine Menge Lob und Komplimente, und das motiviert mich nat√ɬľrlich ganz ungemein. Das wunderbarste Erlebnis bisher bescherte mir eine mir g√ɬ§nzlich fremde Frau, die mir im Vorbeigehen diesen sch√ɬ∂nen Rosenstrau√ÉŇł in den Arm dr√ɬľckte. Aber auch die ungek√ɬľnstelten, fr√ɬ∂hlichen „Danke“, die mir von Leuten mit strahlenden Gesichtern zugerufen werden, sind f√ɬľr mich eine tolle Belohnung.

Eher verzichten kann ich auf die angeschnasselten Vortr√ɬ§ge intellektuell herausgeforderter Transporteure ge√ɬ∂ffneter Bierbeh√ɬ§ltnisse. Schwankend, miefend, und √ɬľberwiegend zusammenhanglos wird mir von dieser Klientel wahlweise die Aussichtslosigkeit meines Tuns erkl√ɬ§rt, oder ich darf mir anh√ɬ∂ren, wie unversch√ɬ§mt die Stadt … naja, lassen wir die unsch√ɬ∂nen Details. Ja, es ist eine Sauerei, dass es keinen ausreichenden Etat und keine vern√ɬľnftige Planung f√ɬľr diese Saisonarbeit gibt, ja, es ist ein Chaos hier, wirklich super, dass Sie stolz auf mich sind (obwohl Sie nichts zu meinem Engagement beigetragen haben), darf ich jetzt bitte weitermachen? Fein. Piraten meckern n√ɬ§mlich nicht blo√ÉŇł √ɬľber das glitschige Deck, Piraten machen „rein Schiff“. Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen.

Ebenfalls eher √ɬ§rgerlich sind Spr√ɬľche der Kategorie „Mistarbeit“, „Na, da haben Sie sich ja was vorgenommen!“, „N√ɬľtzt doch eh nichts, schneit ja doch wieder“, „Also ich w√ɬľrde das ja nicht machen“. Nur weil andere von vornherein die Flinte ins Korn werfen, muss ich es noch lange nicht tun. Ich will mich an meinem Erfolg freuen, und die machen mir’s mies.

Gruselig wird es mir, wenn Gruppen von frechen Kindern und Jugendlichen sich meinem Wirkungskreis n√ɬ§hern. Dumme Spr√ɬľche, Beleidigungen, „Mach mal sch√ɬ∂n sauber hier“ … na, ich danke. Wer hat denen blo√ÉŇł beigebracht, dass jemand, der freiwillig arbeitet, daf√ɬľr ausgelacht werden darf? Mit was f√ɬľr Werten wachsen diese Kinder auf? Leider bin ich nicht in der Lage, sonderlich souver√ɬ§n mit solchen Mobbingattacken umzugehen. Bei der letzten derartigen Begegnung nahm mir das Jungvolk die Schaufel weg, und legte auf dem vereisten Weg quer √ɬľber die Wiese eine Glitsche frei. So eilig, wie es die Situation gestattete, sammelte ich mein Zeug zusammen, und brachte es in den Keller.

Lustig waren meine Begegnungen mit einem Afrikaner. Beim ersten Treffen versuchte er ganz offenbar, mich anzubaggern. Ich schw√ɬ§rmte ihm ausgiebig von meinem Mann vor. Das half. Bei unserer zweiten Begegnung hielt er mir einen langen Vortrag dar√ɬľber, wie sch√ɬ∂n es sei, dass ich „Gottes Weg“ folge und so viel Gutes tue. Dann wollte er mir unbedingt beim Rest meiner Arbeit helfen, wobei er mir anscheinend mit seinem Elan imponieren wollte. Die Schaufel √ɬľberstand seinen Energieausbruch. Den Besenstiel hingegen zerlegte er gleich im ersten Versuch mit lautem Krachen. Da ich eine derartige Situation schon beim Kauf des extralangen Stiels vor meinem geistigen Auge gesehen hatte, am√ɬľsierte mich das k√ɬ∂stlich. Zum Gl√ɬľck brach der Stiel ziemlich weit unten, und ich verlor nur einen halben Meter Holz. Das zersplitterte Ende habe ich hinterher einfach gerade abges√ɬ§gt.

Hamburg bringt seine B√ɬľrger in Gefahr √Ę‚ā¨¬¶

… kommentierte @ring2 am 5. Februar auf Twitter – und er schimpfte zu Recht! Anstatt den Schnee wegzur√ɬ§umen, als es noch Schnee war, sagten sich die Verantwortlichen n√ɬ§mlich ganz offensichtlich: „Lass liegen, tritt sich fest, gibt’n Muster!“

Ja, es hat sich festgetreten. Es ist angetaut, und wieder angefroren, und es hat draufgeschneit, ist wieder angetaut, und dann glashart gefroren. √É‚Äďffentliche Wege in Hamburg sind √ɬľberwiegend spiegelglatt. Die Menschen schliddern und st√ɬľrzen hier auf einem glitschigen, dicken Eispanzer, den jetzt auch keiner mehr weghacken kann – es sei denn, man wollte dazu Presslufth√ɬ§mmer bem√ɬľhen.


Als ich am Donnerstag Morgen Richtung S-Bahn Rothenburgsort unterwegs war, sah ich, wie ein Mann auf dem Zebrastreifen hinfiel. Er knallte voll aufs Gesicht, und seine Tasche flog quer √ɬľber die Stra√ÉŇłe. So vorsichtig, aber auch so rasch wie m√ɬ∂glich, eilte ich mit meinem Mann zu ihm hin, um zu helfen. Der arme Kerl blutete in Str√ɬ∂men. Auch an den Tagen vorher hatte ich schon viele Leute st√ɬľrzen sehen, aber dieser Anblick will mir nicht mehr aus dem Kopf. Das h√ɬ§tte nicht sein m√ɬľssen. Das h√ɬ§tte man mit ein paar Schaufeln Split wirklich verhindern k√ɬ∂nnen. Warum musste das passieren?

Am Freitag fing das Eis dann an zu tauen, und auf dem Weg vom B√ɬľro zur S-Bahn konnte ich mich kaum auf den F√ɬľ√ÉŇłen halten, so glitschig war das klatschnasse, blanke Eis drau√ÉŇłen vor unserer Dienststelle. Ich fuhr zum Hauptbahnhof, wollte eigentlich ins Caf√ɬ© in der Thalia-Buchhandlung, stand sogar schon dort vorm Eingang – und drehte spontan wieder um. Wie konnte ich hier seelenruhig Tee trinken, wenn in meinem Stadtteil der Weg zur S-Bahn voll mit blankem, nassem Eis war? Ich fuhr heim, ging in den Keller, und holte mir eine Schaufel. Und dann habe ich Eisschollen gehackt und vom B√ɬľrgersteig gehebelt, von halb f√ɬľnf bis halb zehn. Viel hab ich nicht geschafft, denn als untrainiertem B√ɬľroweibchen fehlten mir dazu die Kr√ɬ§fte. Ein k√ɬ∂rperlich arbeitender B√ɬ§r von einem Mann h√ɬ§tte in derselben Zeit bestimmt mehr als doppelt so viel geschafft. Dummerweise ist ein B√ɬ§r von einem Kerl nie da, wenn man ihn brauchen k√ɬ∂nnte.

Am Samstag wurde es wieder eiskalt, und was am Freitag Pf√ɬľtzen aus Schmelzwasser gewesen waren, war jetzt glashart gefroren und spiegelglatt. Ich kaufte Kleintierstreu aus Holzsp√ɬ§nen, und streute das auf den Weg. Der Wind verwehte das meiste, und es brachte auch nur ein wenig, aber das bi√ÉŇłchen, was liegenblieb, hat zumindest am Samstag und am Sonntag so manchem ein klein wenig geholfen. Lieber noch h√ɬ§tte ich mir Sand oder Split geholt, aber die Sandkiste vom Spielplatz liegt unter einem Eispanzer, und Split-Depots gibt es hier nirgends. Auch das Eis lie√ÉŇł sich nicht mehr hacken – es war einfach viel zu hart geworden durch den strengen Frost. Zwar hat mir am Samstag sogar noch eine Frau aus dem Stadtteil geholfen, aber wir hatten einfach keine Chance. Zwei Quadratmeter nach zwei Stunden Plackerei! Da haben wir dann aufgegeben.

Aber nicht nur die Stadt kommt ihrer Verkehrssicherungspflicht nicht ausreichend nach. Auch auf den Bahnsteigen ist es gef√ɬ§hrlich. Anstatt r√ɬ§umen zu lassen, macht man Durchsagen – es ist eine Frechheit! Ich will nicht, dass man uns Fahrg√ɬ§ste um Verzeihung bittet, sondern ich will, dass uns die Verkehrsbetriebe den Service bieten, f√ɬľr den wir mit unseren Fahrkarten teuer genug bezahlen! Und nein, ich m√ɬ∂chte nicht, dass man Hartz-IV-Bezieher als 1√Ę‚Äö¬¨-Jobber daf√ɬľr einsetzt. Nachdem ich mir selbst den Buckel weh und krumm geschuftet habe, kann ich beurteilen, was das f√ɬľr eine harte Arbeit ist. Stellt Saisonarbeiter daf√ɬľr ein, oder beauftragt Baufirmen damit, und bezahlt die Leute anst√ɬ§ndig daf√ɬľr. Soviel Wertsch√ɬ§tzung muss sein. Und wenn ihr schon nur Split streuen lasst, statt zu r√ɬ§umen, dann streut bitte regelm√ɬ§√ÉŇłig nach, in ausreichender Menge! Und nicht dekorativ, wie einen Hauch Zuckerstreusel auf der Kindergeburtstagstorte, und so selten, dass das Zeug beim n√ɬ§chsten Antauen einsinkt und gleich wieder unter dem n√ɬ§chsten Eisfilm verschwindet, das nutzt n√ɬ§mlich niemandem. Muss sich eigentlich erst ein Senator das Bein brechen, damit diese Stadt ihrer Verkehrssicherungspflicht nachkommt?

Meinetwegen kann man √ɬľbrigens gern die Bauruine der Elbphilharmonie gleich wieder niederrei√ÉŇłen und zu Rollsplit verarbeiten, falls es an Streugut fehlen sollte. Oh Mann, ich hab eine Stinkwut.

Update am 9. Februar 2010 um 22:27 Uhr: Vorhin bin ich vom Stammtisch heimgekehrt und hab nicht schlecht gestaunt: Da hat jemand das eisfreie St√ɬľck Weg noch um ein gutes Ende verl√ɬ§ngert, und muss sich dabei richtig heftig abgerackert haben. Bei der glasharten Piste das Eis bis auf die Gehwegplatten runter zertr√ɬľmmern? Respekt! Es lag auch gleich wieder eine pudrige Schicht Schnee dr√ɬľber, die ich noch eben fix mit dem Besen beiseite gekehrt habe. Auf den vereisten Partien wurde auch etwas Split gestreut, die k√ɬ∂nnten allerdings noch etwas mehr davon vertragen.