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Sexismusdebatte: Leseempfehlung

EinblickUnd wieder einmal rauscht eine Sexismusdebatte durch’s Netz. Schmierige Sprüche sind ein abstoßendes Relikt alter Zeiten, keine Frage. Aber muss man deswegen sämtlichen Männern gleich Notgeilheit und Vergewaltigungstendenzen unterstellen? Einen absolut lesenswerten Artikel zu diesem Thema hat Meike Lobo in ihrem Blog „Fuck you, I’m human.“ geschrieben, den ich euch hiermit wärmstens empfehlen möchte. Diskussion bitte dortselbst.

Frau am Steuer

Das gefällt mir!Die Busfahrerin, die mich gestern morgen um 8:31 mit dem Bus 120 am Hamburger ZOB abgesetzt hat, ist eine ganz tolle Fahrerin, und hebt sich sehr angenehm von vielen ihrer männlichen Kollegen ab: sachtes Anfahren, sanftes Bremsen, vorsichtiges Beschleunigen, rechtzeitiges Zurücknehmen der Geschwindigkeit vor Kurven, und keine unnötige Raserei über Bodenwellen. Die meisten anderen Busfahrer auf dieser Strecke gehen erheblich ruppiger mit Gas und Bremse um, und man wird auf dem Sitz hin und her geworfen. Nicht so bei dieser Fahrerin: Von ihr fühlte ich mich gut und sicher transportiert. Pünktlich angekommen ist sie außerdem. Klasse!

Vorbauverschalung

Ausgerechnet ein männlicher Teilnehmer bei Google Plus musste mich auf einen Artikel der Mädchenmannschaft hinweisen, in dem steht, dass die meisten Frauen sich ihre BHs nicht korrekt anmessen lassen, und mit völlig falschen Größen herumlaufen. Und dieser Artikel brachte mich in’s Grübeln. Also bin ich über meinen Schatten gesprungen, und hab mir heute einen neuen BH anmessen lassen. Im dritten Laden hatten sie auch endlich was in meiner Größe. 85H. Mein Gott. Vorher trug ich 95E. Ich wusste gar nicht, dass es so etwas wie H-Körbchen überhaupt gibt. Selbst Ulla Popken hatte nur BHs bis Körbchengröße F/G. Und noch etwas habe ich dabei gelernt: Bei meinem nächsten Kauf nicht nur rumhopsen, sondern auch hinsetzen und Bürohaltung einnehmen. Was nützt es mir nämlich, wenn das Mistding im Stehen sitzt und im Sitzen kneift? Das ist mir leider erst zuhause klargeworden. Trotzdem ist es besser als vorher: keine Beulchen mehr unter den Armen. Die hatte ich für normal gehalten und seufzend hingenommen. Daher: Danke für den Hinweis.

Pirat innen und außen

piratdings Ich bin kein Pirat¹, und trotz völliger Übereinstimmung mit den Hauptthemen der Piratenpartei werde ich die Piraten nicht wählen. (Recht auf Privatkopie, gegen einen Überwachungsstaat, keine Patentierung von Lebewesen, um mal ein paar davon zu nennen. Inhaltlich stimme ich mit denen weitgehend überein.) Der Grund für meine Entscheidung ist nicht die niedrige Frauenquote bei den Piraten. Der Grund für meine Entscheidung ist nicht, dass es keine „Piratinnen“ gibt, oder dass Gender-Themen bei den Piraten „nicht stattfinden“. Die Gründe, warum ich nicht die Piraten wähle, sollen auch nicht Thema dieses Blogeintrags sein. Mich beschäftigt momentan etwas ganz anderes: Ein paar Feministinnen inszenieren gerade ein bühnenreifes Piraten-Bashing. Das geht nicht nur einigen weiblichen Piraten, sondern auch mir ganz heftig auf den Keks, und darüber schreibe ich nun. Inspiriert hat mich ein Artikel von Mela Eckenfels, den ich klasse finde, denn ich finde mich in vielem, was sie formuliert hat, wieder.

In erster Linie fühle ich mich als ein Mensch, der nebenbei zufällig weiblich ist – na und? Es gibt auch Menschen mit blauen oder braunen Augen, macht das was? Es gibt glattes oder gelocktes Haar, macht das was? Mich stört es extrem, wenn ich „als Frau“ angesprochen werde. Die Frage ist doch allenfalls dann interessant, wenn es um das Vorhandensein sanitärer Anlagen geht.

Feministinnen nerven mich mit ihren „Frauenthemen“, oder besser gesagt, mit dem, was sie für „Frauenthemen“ halten. Ich lasse mir nicht von irgendwelchen Salon-Emanzen vorschreiben, was mich zu interessieren hat, worüber ich mich empören müsse, und durch was ich mich „als Frau“ benachteiligt fühlen soll.

„Männliche Feministen“ nerven mich mit ihrer zur Schau getragenen „Demut vor den Frauen“ und der „Erwartung, was von dieser Seite noch kommt“. Ich bin ICH, und bin nicht dazu da, irgendeine Sippe, Rasse, Nation, Geschlechtergruppe oder sonstwas zu repräsentieren. Wer mich für meine Leistungen und Fähigkeiten loben will, soll mich loben, und nicht den Umstand, dass dieses oder jenes „von einer Frau“ geleistet worden sei. Was soll denn das heißen? „Nicht schlecht – für’n Mädchen„?

Männergruppen buttern mich nicht unter, sondern ich fühle mich dort wohl. Es gibt keinen Zickenkrieg dort, sondern man kann gemütlich miteinander fachsimpeln. Und wenn danach in später Nacht der Stammtisch vorüber ist, gehe ich entspannt nach Hause, dann gehören die Nacht und die Straße ganz selbstverständlich mir. Mir macht es nichts, allein zu einer Veranstaltung zu gehen, oder eine halbe Stunde früher oder später heimzufahren als mein Mann. Wer mich von einem nächtlichen Spaziergang durch einen Park abhalten wollte, der müsste mir auf dem Weg dorthin eine Leiche über den Zaun hängen.

Ich will weder stellvertretend für andere etwas „verwirklichen“, noch habe ich es nötig, „mich“ oder „etwas“ zu beweisen. Ob mein Leben was taugt, das entscheide ich allein. Ob ich meine Äußerungen banal und albern sein dürfen oder politisch und anspruchsvoll zu sein haben hat mir genau so wenig jemand vorzuschreiben wie die Antwort auf die Frage, ob ich mich schminke oder nicht, ob ich Stöckelschuhe oder Sandalen trage, ob ich stricke oder programmiere, ob ich Kleidchen anziehe oder Jeans, und ob ich den Anblick von Kerzenlicht zu bevorzugen habe oder das Gefühl von heißem Wachs auf meiner Haut lieben darf. Meine Ansprüche, Neigungen und Abneigungen hat niemand zu bewerten, erst recht keine „Emanze“, was immer das sei.

Wenn ich für Rechte eintrete, dann für Menschenrechte, nicht für Frauenrechte.

Ich möchte selbstverständliche Gleichberechtigung statt Feminismus. Ich will als Mensch geachtet werden, nicht als Frau.