Spaß mit DRM

Fett, leuchtendrot und unhandlich liegt es vor mir: mein neuestes Fachbuch, eine Einführung in Typo3. Das Buch ist ein Workshop zur Erstellung von Templates. Angesichts der vielen Codebeispiele hat es mich gegruselt: so viel zu tippen, und keine CD dabei? Aber zu dem Buch gibt es ein kostenloses E-Book, las ich drinnen auf der Einbandseite. „Schön!“, dachte ich, bis ich heute endlich dazu kam, die Webseite des Verlags aufzusuchen und den Freischalt-Code einzutippen. Danach habe ich kräftig geflucht.

Die erste Hürde: ein Microsoft-Passport-Account muss her. Um dessen Anlage hab ich mich bisher erfolgreich drücken können. Nur um ein simples E-Book lesen zu können, soll ich dem Großen Buder in Redmont also meine persönlichen Daten in den Rachen werfen. Na toll! Entweder ich mache mit, was ich nie machen wollte, und wovon im Buch auch kein Wort stand, oder ich muss den ganzen verdammten Code selber eintippen. Grummelnd registriere ich mich.

Einige Mausklicks später habe ich das geöffnete PDF vor mir, und freue mich, endlich den Text nach Stichworten durchsuchen und die Codeblöcke herauskopieren zu können. Die Freude währt nicht lang. „Zulässig ist das Kopieren von 40 Bereichen dieses Dokuments in den nächsten 7 Tagen. Möchten Sie fortfahren?“ Na Klasse! Dann mache ich mir jetzt also eine Rangliste, markiere alle möglicherweise zu kopierenden Codefragmente, und lege die wichtigsten gleich in nummerierten Textdateien ab, damit ich nicht versehentlich was doppelt kopiere, und damit kostbare Kopiermöglichkeiten vergeude? – Und nicht einmal einzelne Seiten kann ich ausdrucken, um sie mit Textmarker und Randgekritzel zu garnieren. Anstelle der Buchseiten erscheint auf dem Ausdruck eine Fehlermeldung. Herrschaften, ich glaub, ich spinne!

Wie ich das Buch „legal“ nutzen soll, ist mir angesichts der Nutzungsbedingungen des Verlags eh schleierhaft: „Kein Teil des Werkes darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in irgendeiner Form (Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) – auch nicht für Zwecke der Unterrichtsgestaltung – reproduziert oder unter Verwendung elekronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.“ Wenn ich das wörtlich nähme, dürfte ich den Beispielcode nicht abtippen, um ihn auszuprobieren: „Kein Teil des Werkes darf … reproduziert oder unter Verwendung elekronischer Systeme verarbeitet … werden.“ Ich hoffe, dass die Anweisungen des Autors („Ändern Sie dazu den Inhalt des Felds xyz folgendermaßen … „) als „schriftliche Erlaubnis“ durchgehen. Sonst würde ich mich nämlich schon bei bestimmungsgemäßem Gebrauch des Buches strafbar machen.

Sei es, wie es sei, ich brauche den Code, und ich hab keinen Bock, seitenweise TypoScript und HTML in die Tastatur zu hämmern. Da hilft mir wohl nur noch das analoge Loch: OCR-Freeware im Internet suchen, Auflösung hochreißen, [ALT]-[Druck], einfügen in die Bildbearbeitung, als jpg abspeichern, OCR drüber jagen, und ich erhalte endlich … Schrott! Aus Einsen werden kleine ‚l‘, aus Nullen kleine ‚o‘, aus geschweiften Klammern werden runde, aus den Punkten zwischen den Namensbestandteilen der Objektbezeichner werden aus unerfindlichen Gründen Pipe-Zeichen, und die Objektbezeichner selbst werden gnadenlos von der Rechtschreibkorrektur „verbessert“.

Zum Glück hab ich daheim noch einen „richtigen“ Scanner und „ordentliche“ OCR-Software. Damit kann ich heute abend alle nötigen Beispielcodes einlesen, ohne mitzählen zu müssen. Aber wozu hab ich mich nun eigentlich bei Mickysoft registriert? :-(

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2007 05 09

Und der Spass geht weiter: Ein E-Book hatte ich auf meinem Rechner auf der Arbeit installiert, das andere auf Jacques‘ Rechner, weil wir gemeinsam vor seiner Kiste saßen, um darin zu blättern und ein paar Beispiele in Typo3 auszuprobieren. Heute nehm ich das Dokument von seinem Rechner runter, schiebe es auf meine eigene Platte, und – kann es nicht öffnen. Oh Mann, ich bin ja sowas von „begeistert“. Mein Buch liegt jetzt natürlich im Büro, und Jacques will heute seinen eigenen Kram programmieren. Ganz toll gemacht, lieber Hanser-Verlag, sowas erfreut die Kundschaft! *grrrrr*